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Medizin

Sprechen über Glyphosat-Zulassung — EU-Kommissare

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Gegen eine Verlängerung des umstrittenen Herbizids Glyphosat wurde bereits häufiger demonstriert

Doch die gewichtige Bundesrepublik wird sich wohl erneut enthalten - während das Umweltministerium für einen Ausstieg votiert, will das Landwirtschaftsministerium die Zulassung des Herbizids verlängern. Andererseits steht Glyphosat auch im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu schädigen.

Die Mehrheit der Mitgliedstaaten, die abgestimmt hätten, hätte jedoch den Vorschlag der EU-Kommission unterstützt, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel.

Bei der Sitzung der EU-Kommission in Brüssel hat am 8. November 2017 das Kollegium den aktuellen Stand und die nächsten Schritte im Verfahren zur Erneuerung der Zulassung des Herbizids Glyphosat besprochen.

Die noch amtierende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) warf Landwirtschaftminister Christian Schmidt (CSU) derweil ein "Foulspiel" im Streit um den Unkrautvernichter vor. Mensch und Natur seien dem Ackergift weiterhin unbeschränkt ausgesetzt, so Heike Moldenhauer, und die Zulassung könnte nach fünf Jahren sogar weiter verlängert werden.

Die Federführung bei der Gefahrenabschätzung von Glyphosat lag beim Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Sie bleibe bei ihrem Nein zu Glyphosat. Auch deshalb erwarten Experten, dass heute keine Entscheidung fällt. Dazu müssten etwa die unterschiedlichen Einschätzungen im Hinblick auf die gesundheitlichen Gefahren aufgeklärt werden. Für eine Zulassung sind die Stimmen von mindestens 16 Mitgliedstaaten notwendig, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Kommt es auch dann zu keiner qualifizierten Mehrheit für oder gegen den EU-Kommissionsvorschlag, könnte die Brüsseler Behörde letztlich alleine darüber entscheiden. Sie hatte bislang allerdings versucht, breite Unterstützung der EU-Länder zu bekommen. Der Unkrautvernichter gilt als preiswert und wird weltweit genutzt. An Glyphosat gibt es viel Kritik. Wissenschaftler sind uneins über das Krebsrisiko. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) IARC hält die Substanz für "wahrscheinlich Krebs auslösend". Die Lebensmittelbehörden Efsa und die Chemikalienagentur Echa kamen dagegen zu dem Ergebnis, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine solche Einstufung nicht ausreichten. Umweltschützer zweifeln an der Aussagekraft der zugrundeliegenden Studien. Es müsse aber klar sein, "dass es keine Wiederzulassung mehr geben darf - und sofortige deutliche Anwendungsbeschränkungen für die Landwirtschaft". "Die Europäische Kommission muss endlich einsehen, dass es höchste Zeit ist, das Ende von Glyphosat einzuläuten", sagte der Agrarexperte der Grünen im Europäischen Parlament, Martin Häusling. Glyphosat wurde in den 70er Jahren als Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel entwickelt. Glyphosat vernichtet so gut wie alle unerwünschten Gräser, Kräuter und andere Pflanzen auf dem Acker und raubt damit vielen Insekten und Vogelarten die Lebensgrundlage.

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