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Yücel wirft der Türkei Verschleppungstaktik vor

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Deniz Yücel

Er fordert, endlich angeklagt zu werden. "Und den am besten gleich morgen", sagte Yücel der "taz am Wochenende". Es ist das erste Interview seit seiner Inhaftierung. Isolationshaft sei Folter, betonte der Korrepondent der Zeitung "Die Welt". Deshalb haben Yücels Anwälte beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt. Das Gericht begründete das mit dem Verdacht der Terrorpropaganda und der Volksverhetzung. "Und danach werde ich gespannt sein, ob die türkische Regierung ein Urteil aus Straßburg zur Haftentlassung befolgen wird". Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen "Spion" und "Agenten" der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Der EGMR hatte der türkischen Regierung kürzlich eine letzte Fristverlängerung zur Abgabe einer Stellungnahme im Fall Yücel eingeräumt. Sie sind in der Europäischen Menschenrechtskonvention verbrieft, die auch für die Türkei gilt.

Yücel bedankte sich in dem Interview für die Anteilnahme in Deutschland. Obwohl noch immer keine Anklageschrift vorliege, wisse er, weshalb er eingesperrt sei: "Weil ich, so meine ich, mir einbilden zu können, meinen Job als Journalist ordentlich gemacht habe". Und obwohl ich in Einzelhaft sitze, weiß ich, dank der vielen Menschen, die sich für mich und für meine inhaftierten Kollegen einsetzen, dass ich nicht alleine bin. "Das hilft mir sehr". "Die Fantasie ist so groß wie die Schamgrenze niedrig".

Der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel hat von der türkischen Justiz einen fairen und schnellen Prozess gefordert. Das Interview wurde nach Angaben der Zeitung schriftlich über Yücels Anwälte geführt. Derzeit befinden sich nach Angaben der Bundesregierung neben Yücel noch acht deutsche Staatsangehörige aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Ankara und Berlin seit Monaten schwer. Zwei Wochen später kam er als Untersuchungshäftling in das Gefängnis von Silivri bei Istanbul.

Yücel, der die türkische und deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, macht vor dem EGMR eine Verletzung seiner Rechte auf Freiheit und Sicherheit sowie auf Meinungsfreiheit geltend.

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