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Studie: CO2-Ausstoß stieg 2017 wieder an

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Kein Grund zur Selbstzufriedenheit

Bonn (Reuters) - Nach drei Jahren der Stagnation wird der Treibhausgas-Ausstoß der Welt in diesem Jahr vor allem wegen China voraussichtlich ein neues Rekordhoch erreichen. Dort steigen die Emissionen um 3,5 beziehungsweise um zwei Prozent. Für 2017 sind den Schätzungen zufolge nun rund 37 Milliarden Tonnen zu erwarten. China allein steht beispielsweise heute schon für 28 Prozent der globalen Emissionen. Unabhängig von der genauen Wachstumsrate bedeute das den weiteren Ausstoß von jährlich etwa 36 Gigatonnen Kohledioxid allein durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Die Forscher präsentieren ihre Daten unter anderem in den Fachjournalen Nature Climate Change und Environmental Research Letters. "Die Nachricht vom Anstieg der Emissionen 2017 sind unwillkommen". "Der weltweite CO2-Ausstoß scheint wieder stark zu steigen". In Indien sei der Anstieg mit 2 Prozent geringer, was vermutlich auf eine gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche in dem Land zurückzuführen sei. Damit dürfte es noch schwerer werden, das Klimaziel 2020 mit einem Plus von 40 Prozent CO2-Emissoponen gegenüber dem Jahr 1990 zu erreichen. Allerdings sei die Rate des Rückgangs in all diesen Ländern mit 0,2 Prozent zu gering, um eine Trendwende einzuläuten. Von Michael Bauchmüller mehr. "Das ist sehr enttäuschend", sagte Corinne Le Quere, Direktorin des britischen Tindall Centers für Klima-Forschung. Stärkere Regenfälle, höhere Meeresspiegel und wärmere Ozeane hätten die Entstehung starker Stürme begünstigt. Für die Staaten, die derzeit in Bonn über die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 zur Begrenzung der Erderwärmung beraten, gebe es also "keinen Grund zur Selbstzufriedenheit", mahnen die Experten. Vor zwei Jahren war auf der Weltklimakonferenz in Paris vereinbart worden, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzen zu wollen, besser auf 1,5 Grad.

Im Zeitraum von 2014 bis 2016 waren die Emissionen weitgehend stabil geblieben - und das trotz eines weltweiten Wirtschaftswachstums. Vor allem die verringerte Kohlenutzung, eine verbesserte Energieeffizienz sowie ein Boom bei den erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie haben wohl maßgeblich dazu beigetragen. Das zeige, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu einer Zunahme des Kohlendioxidausstoßes führen muss. Als besonders erfreulich bewerteten Experten die teilweise Entkopplung der Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt und Emissionen. Dem Bericht zufolge sind in der vergangenen Dekade in gut 20 Ländern bei anhaltendem Wirtschaftswachstum die Emissionen gesunken, darunter in Deutschland, den USA, Dänemark, Frankreich, Polen, Rumänien und Serbien. Dieser Anstieg macht deutlich, dass der Höchststand an Emissionen noch immer nicht erreicht ist.

Und auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen. "Wir hatten gehofft, dass wir über den Berg sind, aber das sind wir nicht", erklärte der Koautor der Studie, Rob Jackson von der Universität Stanford. Die Daten der Studien seien jedoch mit einiger Unsicherheit behaftet. In diesem Jahr erscheint der Bericht zum zwölften Mal und wird vom Global Carbon Project herausgegeben.

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