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OECD-Studie: Deutschland holt bei Beschäftigung Älterer auf

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Rente Eine ältere Dame in Hassenberg

Die schlechte Nachricht: In keinem Industriestaat ist gleichzeitig die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern größer als in Deutschland. In vielen Ländern, gerade auch in In Deutschland, ist es derzeit immer noch üblich, dass ein Arbeitsvertrag mit dem Erreichen des 65. Lebensjahrs endet - obwohl das tatsächliche Renteneintrittsalter für viele Betroffene bereits darüber liegt.

Möglicherweise ist die Gefahr der Altersarmut auch ein Grund dafür, dass Deutschland bei der Beschäftigung Älterer im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren am stärksten zugelegt hat. Spitzenreiter bei der Beschäftigung Älterer sind vor Deutschland Island, Schweden, die Schweiz, Tschechien, Dänemark, Neuseeland, Japan und Norwegen. Ihr Altersgeld wird laut Rentenversicherungsbericht jährlich um zwei Prozent steigen.

Bei den 55- bis 59-Jährigen sind demnach in Deutschland etwa 80 Prozent in Beschäftigung, bei den 60- bis 64-Jährigen noch 56 Prozent. Bei Niedrigverdienern in Deutschland ist der Unterschied zum Durchschnitt im OECD-Raum mit 55 zu 73 Prozent noch größer.

Aus Sicht der OECD-Experten ist die Entwicklung positiv zu werten, da es die Rentenfinanzen entlaste, wenn mehr Menschen auch noch im höheren Alter arbeiteten.

Generell wirft die staatlich organisierte Rente - das ist die gesetzliche Rente plus die geförderte Riester-Rente - in Deutschland unbefriedigend wenig ab, wenn man ihre Höhe mit anderen Ländern vergleicht.

Die zu Anfang der vergangenen Wahlperiode eingeführte abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren bietet - so betont die OECD - wenig Anreize, die Berufslaufbahn nach 45 Jahren fortzusetzen. Aber auch das Arbeiten über das normale Rentenalter hinaus sollte attraktiver werden - anders als zuvor steigern Rentenbeiträge dann auch die Rente.

Bei den wohl anstehenden Sondierungen von Union und SPD zeichnet sich auch die Rente als ein Diskussionsthema ab.

Eine automatische Anpassung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung gibt es in Dänemark, Finnland, Italien, den Niederlanden, Portugal und der Slowakei.

Die Sorgen könnten wachsen, wenn die Deutschen lesen, was die OECD zu den Kosten ihres Rentensystems sagt: Bis zum Jahr 2015 werden die Kosten der Rente für den Staat von aktuell zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 12,5 Prozent des BIP steigen. Letzteres berge das Risiko, dass mehr Menschen früher in Rente gehen könnten.

Besonders Frauen trifft es hart: Sie haben im Schnitt nur 46 Prozent der Rente zur Verfügung, die ein Durchschnittsmann in Deutschland erhält. Hauptgründe: Eine über OECD-Schnitt liegende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern - sowie der große Teilzeitanteil bei Frauen.

Insgesamt zeigt sich die OECD mit der Reformaktivität ihrer Mitgliedsländer unzufrieden. Bei einer Umfrage der Europäischen Kommission im Rahmen des Eurobarometers gaben 18 Prozent der Deutschen an, die Rente sei eines der beiden wichtigsten Themen für sie.

Auch das Fehlen von Mindestrenten sieht die OECD kritisch.

Die Alterssicherung für Geringverdiener und Frauen müsse in Deutschland verbessert werden, fordert die Organisation.

Es brauche weitere Reformen, um die Rentensysteme an die alternde Bevölkerung und die sich verändernde Arbeitswelt anzupassen, sowie um zunehmender Ungleichheit im Alter entgegenzuwirken.

Die künftigen deutschen Rentner können laut der Untersuchung im Schnitt vom Staat nur 51 Prozent ihres Nettoverdienstes erwarten.

Die OECD rügt das um bis zu 20 Punkte höhere Pensionsniveau der Beamten. Die meisten zählen zu den entwickelten Ländern mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen.

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