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Sind drei Beamte verantwortlich für einen tödlichen Geister-Unfall?

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Haben drei Justizvollzugsbeamte Mitschuld an einer tödlichen Geisterfahrt eines Häftlings auf Freigang? Sie hatten dem Häftling laut Anklage Freigang aus der JVA Diez gewährt, ohne dessen strafrechtliche Vita genau zu untersuchen. Der JVA-Mitarbeiter aus Wittlich habe zwar erkannt, dass der Häftling für eine Verlegung in den offenen Vollzug "ungeeignet" gewesen sei, habe ihr aber dennoch zugestimmt. Der Mann war dann während eines Freigangs im Januar 2015 mit seinem Auto vor einer Polizeikontrolle geflüchtet und hatte als Falschfahrer einen Unfall verursacht, bei dem eine 21-jährige Frau starb.

Staatsanwalt Manuel Jung betonte am Dienstag vor Gericht, alle drei Angeklagten hätten ihre Sorgfaltspflicht missachtet und die fahrlässige Tötung des 21-Jährigen Unfallopfers ermöglicht. Die Verteidiger der drei Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück: Es bestehe demnach keine Verbindung zwischen der Entscheidung, den Mann in den offenen Vollzug zu verlegen und der Unfallfahrt. Der genehmigte Freigang sei ein Fehler gewesen, denn aus den Akten hätten die JVA-Beamten wissen können, dass der Mann immer wieder wegen seiner riskanten Fahrweise verurteilt worden war.

Dieser Unfall hätte laut Staatsanwaltschaft vermieden werden können, wenn die Beamten in den beiden Haftanstalten korrekt gearbeitet hätten. Der Strafvollzug ziele auch auf die Resozialisierung von Häftlingen, es sei kein "Verwahrvollzug".

Oberstaatsanwalt Joachim Herrchen sagte vor Prozessbeginn, die Angeklagten hätten sich nicht "hinreichend mit dem Täter beschäftigt". Sonst wäre sein Verhalten "erwartbar" gewesen - zumal der Mann mehr als 20 Mal einschlägig vorbestraft gewesen sei.

Hier sei es nicht nur um Fahren ohne Führerschein gegangen, sagt Herrchen. Der Geisterfahrer selbst war bereits im Dezember 2015 zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden.

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