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Fluchtwelle im Nordwesten Syriens immer größer - Strom Richtung Türkei

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Jüngst im Südwesten Syriens: Mit Bussen und Krankenwagen dürfen Dschihadisten, die der Terrororganisation Al-Qaida nahestehen sollen, sowie ihre Familien das belagerte Dorf Beit Jin verlassen, insgesamt rund 300 Menschen.

Seit dem 25. Dezember rücken die syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe im Südosten von Idlib vor. Dabei eroberten sie bereits zahlreiche Dörfer.

Angesichts der sich abzeichnenden humanitären Katastrophe verlangt der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu den sofortigen Stopp der syrische Offensive, weil der Angriff in einer von Russland und Iran geschaffenen, sogenannten "Deeskalationszone" durchgeführt werde. Bei den schweren Luftangriffen in der Region wurden laut Aktivisten schon Dutzende Zivilisten getötet. Beobachter warnen vor einem weiteren Ansteigen der Flüchtlingszahlen.

Laut Cavusoglu gehen 95 Prozent der Verletzungen des Schutzgebiets auf die syrischen Regierungstruppen zurück. Die Türkei hat Truppen im Norden von Idlib stationiert, um die Deeskalationszone abzusichern.

Die Türkei unterstützt seit Beginn des Konflikts die Rebellen, näherte sich aber zuletzt Russland, das mit dem Iran die Regierung in Damaskus unterstützt.

Der russische Experte Alexej Malaschenko sagte AFP, die aktuellen Spannungen könnten nicht überraschen. Demnach verletzt die Offensive die Deeskalationszone, die auf Initiative der Türkei, Russlands und des Iran in Idlib eingerichtet worden war. Sie zeigten keinerlei Interesse, ernsthaft mit der Opposition zu verhandeln. Sie seien daher "zum Konsens verdammt". Zum anderen ist für den 29. und 30. Januar ein Treffen der Konfliktparteien im russischen Sotschi geplant. Jedoch sorgt die Teilnehmerliste für Diskussionen, da die Türkei eine Einladung der syrischen Kurdenpartei PYD strikt ablehnt. Sonst würden die PKK und ihre syrische Schwesterorganisation YPG dort einen "Syrien-Terrorkorridor" errichten, sagte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan.

Ein europäischer Diplomat äußerte sich skeptisch, dass es Russland gelingen werde, in Sotschi einer politischen Lösung näher zu kommen. Für diese Menschen, von denen einige bereits mehrfach ihr Zuhause verloren haben, gebe es keine ausreichenden Unterkünfte, weil die Kapazitäten der Auffanglager erschöpft seien. Nicht nur sei Russlands Verhältnis zur Türkei angespannt, sondern auch zu Assad und dem Iran.

Die Spannungen zwischen Ankara und Moskau werden noch verschärft durch jüngste Drohnenangriffe auf russische Militärbasen in Syrien. Es rief den türkischen Generalstab und Geheimdienst auf, ähnliche Drohnenangriffe zu verhindern. Die Türkei rechnet damit, dass viele davon über ihre Südgrenze das Land erreichen. Nach UNO-Angaben sind 1,39 Millionen Menschen in Idlib auf humanitäre Hilfe angewiesen. Assad hat in der Vergangenheit mehrfach angekündigt, er wolle wieder ganz Syrien kontrollieren. "Das Leiden der Menschen in Syrien kennt kein Ende", sagte er. Der Direktor der Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM), Ahmad al-Dbis, warf der Assad-Regierung "systematische Attacken auf Spitäler" in der Region vor.

Die Türkei werde den im August 2016 begonnen Militäreinsatz in Nordsyrien "Schutzschild Euphrat" auf die Regionen Afrin und Manbidsch ausweiten "und danach Sicherheit und Ruhe entlang der gesamten Grenze bringen", sagte Erdogan. Für den Kampf gegen diese Islamisten gilt die Waffenruhe explizit nicht. Der IS kontrolliert seit dem Verlust seiner Machtzentren wie Raqqa kaum mehr Gebiete im Bürgerkriegsland, versucht offenbar aber, zwischen Idlib und Hama wieder Fuß zu fassen.

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