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Spuren von Nervengift in Restaurant nach Anschlag auf Ex-Spion

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Der russische Ex Spion Sergej Skripal wurde anscheinend vergiftet

Im Fall des vergifteten russisch-britischen Doppelagenten Skripal haben die Ermittler Spuren von Nervengift in einem Pub und einem Restaurant in Salisbury entdeckt.

Alle Gäste, die die beiden Lokale in dem fraglichen Zeitraum zwischen Sonntagmittag und Montagmittag besucht hatten, sollen nun ihre Kleidung waschen sowie persönliche Gegenstände säubern.

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am vergangenen Sonntag bewusstlos auf einer Bank in einem Einkaufszentrum gefunden und ins Krankenhaus eingewiesen worden. Nur wenige Stunden später brachen sie auf der Parkbank zusammen. Die britische Innenministerin Amber Rudd sagte am Samstag: "Es wird eine Zeit für eine Reaktion kommen, aber jetzt konzentrieren wir uns auf die Ermittlung". Ein ebenfalls verletzter Polizist ist demnach "schwer krank", aber ansprechbar.

Mehrere Abgeordnete nannten Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin als wahrscheinlichsten Urheber der Attacke, die an den Fall des KGB-Überläufers Alexander Litwinenko erinnert.

Die Polizei hatte am Mittwoch erklärt, Skripal und seine Tochter Yulia seien die Opfer eines gezielten Angriffs mit Nervengift geworden. "Wir müssen der Polizei und den ermittelnden Einheiten um sie herum den Raum geben, voranzukommen". Um was für ein Gift es sich genau handelt, wollte Rudd mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen noch nicht sagen. An den Ermittlungen beteiligt seien mehr als 250 Polizisten der Anti-Terror-Einheit, sagte Rudd. Inzwischen wurden mehr als 200 Beweisstücke gesichert und mehr als 240 Zeugen identifiziert.

Die Ermittler gingen jedoch nicht von einer Gefahr für andere Restaurantbesucher aus.

Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace hatte zuvor angekündigt, Großbritannien sei bereit, mit "voller Macht" zu antworten, sobald die Verantwortlichen ausgemacht seien. Am Samstag war auf Fernsehbildern zu sehen, wie Spezialeinheiten des Militärs, Einsatzfahrzeuge der Rettungskräfte zur Dekontamination abtransportierten.

Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Grossbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Auf dem Friedhof sollen Medienberichten zufolge Skripals Ehefrau und Sohn begraben liegen. Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Quelle des Gifts könne sich im Haus Skripals befunden haben.

Unklar ist weiterhin, wie die Opfer mit dem Nervengift in Kontakt kamen. Als Hauptverdächtige haben damals zwei russische Spione gegolten, die Regierung in Moskau hatte sich jedoch geweigert, die beiden auszuliefern. Ihr Außenminister Boris Johnson hat bereits einen britischen Boykott der Fußball-WM im Sommer in Russland ins Spiel gebracht - in welcher Form auch immer. Das hat zu Spekulationen geführt, der Kreml könnte erneut seine Hände im Spiel haben.

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