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"Keinen Bock mehr" - Mertesacker klagt über Dauerdruck im Profi-Fußball

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Mertesacker-Beichte Würgereiz vor jedem Spiel WM-Aus als Segen

Ich weiß es noch, als wäre es heute. Dass er im Nachhinein über das vermeintliche "Sommermärchen" von 2006 denkt: "Der Druck hat mich aufgefressen".

Der ehemalige Nationalspieler Per Mertesacker (33) sieht einen unmenschlichen Druck auf Fußball-Profis: Jeder lerne im Fußball-Geschäft schnell, "dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber", sagte Mertesacker dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Über Druck im Profifußball wird nur in kurzen Aufmerksamkeitsschüben diskutiert, so nach dem Suizid des Nationaltorwarts und Mertesacker-Freundes Robert Enke 2009. "Dieses ständige Horrorszenario, einen Fehler zu machen, aus dem dann ein Tor entsteht".

Per Mertesacker beendet in diesem Sommer seine Karriere.

Und dass er sich nach fast 15 Karrierejahren müde und ausgelaugt fühle und einfach "keinen Bock mehr" habe. Von wegen: Er sitze bei Arsenal "am liebsten auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne".

Im Internet zollten ihm viele Kommentatoren Respekt für seine Offenheit. Aus dem Fußballgeschäft war auch Unverständnis zu hören.

Von Christoph Metzelder etwa.

Nach der WM in Deutschland wechselte Mertesacker von Hannover 96 zu Werder - auch hier wurde Druck nicht geringer. Als besonders belastend empfand er die Heim-WM 2006. "Ab einem gewissen Punkt waren wir auf einer Welle", sagte er als Experte des TV-Senders Sky. Lothar Matthäus betonte: "Nationalmannschaft spielt man freiwillig".

Reaktionen auf die immense Erwartungshaltung, die Mertesacker von außen verspürte, die er verheimlichte, seit er 2003 ins Profigeschäft rutschte. Wie will er einem jungen Spieler diese Professionalität vermitteln, wenn er sagt, dass da zu viel Druck ist? Mertesacker selbst beklagt genau das.

Mertesacker betont, dass ihm "die Privilegien meines Lebens bewusst" seien, und dass er seinen Lebensweg trotz seiner Probleme nicht bereue. "Ich habe mir das ja so ausgesucht, keiner hat mich dazu gezwungen". Bei der WM 2014 bekamen Millionen Fernsehzuschauer einen Eindruck von seiner Anspannung, als er einem Reporter nach dem Achtelfinalsieg gegen Algerien sagte: "Was wollen Sie jetzt von mir?" Glauben Sie, unter den letzten 16 ist noch eine Karnevalstruppe?

Die Verletzungen seiner Karriere führt Mertesacker auch auf die hohe mentale Belastung zurück: "Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer". Dann will er nach eigenen Angaben "das System angreifen", das ihn selbst zwar zum Fußball-Millionär, nicht aber immer zu einem zufriedenen Menschen gemacht hat.

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