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Müller-Wohlfahrt rechnet mit Pep ab

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Pep Guardiola Doctor Hans Wilhelm Mueller-Wohlfahrt

Konkret wirft Müller-Wohlfahrt dem angeblich innovativen Guardiola vor, beim FC Bayern die Uhren zurückgedreht zu haben.

Der 75 Jahre alte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist seit dieser Saison wieder Vereinsarzt des FC Bayern. BILD druckt vorab sein Buch "Mit den Händen sehen: Mein Leben und meine Medizin" (Insel-Verlag, 22,95 Euro). Guardiola habe sich zum einen "absolut nicht für medizinische Fragen" interessiert, "verlangte aber andererseits von uns, medizinische Wunder zu vollbringen". "Er sah mich offenbar in der Rolle eines Befehlsempfängers, über den er jederzeit verfügen konnte". Im April 2015 war er nach einem Streit in der Kabine von seinem Posten beim FC Bayern zurückgetreten.

Zu tief war damals dem Doc zufolge das mangelnde Vertrauen, mit dem Guardiola ihm begegnete: Er habe "medizinisch durchdachte, jahrelang bewährte Vorbereitungsprogramm" völlig umgebaut.

Müller-Wohlfahrt (r.) und Guardiola (l.) kümmern sich um den verletzten Philipp Lahm: Der Trainer habe "medizinische Wunder" verlangt, lautet ein Vorwurf des Bayern-Docs. Gleichzeitig gibt der Arzt Guardiola eine Mitschuld an den vielen Muskelverletzungen der Bayern-Stars in seiner Amtszeit: "Er wusste alles besser: Fünf Minuten Aufwärmen im Schnelldurchlauf, das musste reichen". Doch das konnte nicht gut gehen. "Immer wenn ich mit ihm sprechen wollte, wandte er sich sofort ab und ging weg". Das treffe auch auf Müller-Wohlfahrt zu. Ich habe völlig die Beherrschung verloren, Guardiola angeschrien und dann derart mit der Faust auf den Tisch gehauen, dass die Teller und Tassen nur so gescheppert haben. Mit dem FC Barcelona setzte er den ersten Meilenstein in seiner einzigartigen Karriere, als er die Mannschaft über Jahre als führende Macht in Europa etablierte. "Ich konnte nicht begreifen, dass ein Trainer, der so viele Lebensjahre zählte wie ich Berufsjahre bei den Bayern, mir und meiner Erfahrung keinerlei Gehör schenkte". Er halte den Trainer, der im Jahr 2013 zum FC Bayern kam, für einen Menschen "mit schwachem Selbstbewusstsein, der alles dafür tut, um andere darüber hinwegzutäuschen". Guardiola scheine "in ständiger Angst zu leben, nicht so sehr vor Niederlagen, sondern vielmehr vor dem Verlust von Macht und Autorität". Auch mit den Bayern und seinem jetzigen Club, Manchester City, feiert der Taktikfuchs Erfolge. Müller-Wohlfahrt berichtet: "Während die Spieler schon auf den Liegen behandelt wurden, wurde ich vor versammelter Mannschaft lautstark angegriffen und für die vielen Verletzten verantwortlich gemacht". Das habe ihn in seinem Ehrgefühl verletzt, heißt es dort weiter. Pep ist ein stolzer Katalane, und die spanischen Fußballtrainer haben ein ganz anderes Verhältnis zur medizinischen Abteilung der Klubs. Und Müller-Wohlfahrt sei ein "stolzer Arzt, der nicht über seine erfolgreichen Behandlungsmethoden diskutieren möchte". "Es fehlte der Puffer, der ich immer war", erklärte Hoeneß.

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