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Medizin

Viele Medikamente greifen Darmbakterien an

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Jedes vierte gängige Medikament hemmt das Wachstum von Bakterienarten im menschlichen Darm und verändert so die Darmflora. Dennoch werden nicht alle Medikamente die Darmbakterien beeinflussen und nicht alle werden Resistenzen fördern.

Auch viele Medikamente, die nicht zu den Antibiotika zählen, können negative Auswirkungen auf die Darmflora haben. Dass die 156 getesteten Antibiotika die Mikroben am Wachstum hindern, ist keine Überraschung - doch weit verbreitete Medikamentenklassen, zum Beispiel Protonenpumpeninhibitoren oder Antipsychotika, zeigten in den Versuchen ebenfalls antimikrobielle Wirkungen.

Wie das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg in einer Mitteilung berichtet, hemmt jedes vierte in der Humanmedizin eingesetzte Medikament das Wachstum von Bakterien, die natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommen.

"Die Anzahl der unterschiedlichen Medikamente, die als Kollateralschäden die Darm-Mikroben beeinträchtigen, war überraschend hoch", sagt Studienleiter Bork.

Die Heidelberger Wissenschaftler haben zum ersten Mal die direkten Effekte auf dem Markt erhältlicher Medikamente auf einzelne Darmbakterien systematisch untersucht. "Diese Veränderung in der Zusammensetzung unserer Darmbakterien trägt zu Nebenwirkungen von Medikamenten bei, könnte aber Teil der positiven Wirkung der Medikamente sein".

Und: "Wir müssen diese Beziehungen eingehend untersuchen, da dieses Wissen unser Verständnis sowie die Wirksamkeit vorhandener Medikamente enorm verbessern könnte".

Die Studie unterstrich auch das bislang unbemerkte Risiko, dass die Einnahme von Nicht-Antibiotika zu einer Antibiotikaresistenz beitragen kann.

"Das ist beängstigend", sagt Co-Autor Nassos Typas, "wenn man bedenkt, dass wir viele nicht-antibiotische Medikamente im Laufe unseres Leben einnehmen, oft für lange Zeit. In einigen Fällen löst die Resistenz gegen bestimmte Nicht-Antibiotika sogar die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Antibiotika aus und eröffnet damit Wege für die Entwicklung optimaler Wirkstoffkombinationen".

"Wir sind gespannt auf die Ergebnisse weiterführender Untersuchungen, die darauf abzielen die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Mikroben im Kontext des Darms besser zu verstehen", so Georg Zeller.

"Alle Menschen unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihres Mikrobioms, was erklären könnte wieso verschiedene Patienten unterschiedlich auf die gleichen Medikamente reagieren". Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Mikroben individuell unterschiedlich ausfallen.

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