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Dritter Todesfall - Bornavirus doch gefährlich für Menschen

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Dritter Todesfall – Bornavirus doch gefährlich für Menschen

Der dritte Todesfall steht nicht mit der Transplantation in Zusammenhang, Details sind nicht bekannt.

Bei Pferden sind Infektionen mit dem Bornavirus seit mehr als 100 Jahren bekannt - mit Gehirnentzündungen als möglicher Folge. Bislang geht Beer von einem äußerst seltenen Einzelfall aus.

Erstmals sind jetzt Infektionen mit dem Borna Disease Virus (BoDV-1) als wahrscheinliche Auslöser von schweren Enzephalitiden beim Menschen identifiziert worden. Die diagnostizierten tödlichen Gehirnentzündungen seien durch eine neu-entdeckte Art des Bornavirus (Bunthörnchen-Bornavirus VSBV-1) ausgelöst worden. Nun sind offenbar auch drei Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem gefährlichen Virus gestorben. Das RKI berichtete vor Kurzem von den Fällen. Mit der Standarddiagnostik konnte die Ursache der Gehirnentzündungen nicht gefunden werden. Eine weitere solche Infektion wurde allerdings bei einer Patientin mit massiver Enzephalitis belegt, und ein zusätzlicher Verdachtsfall wird abgeklärt. "Ein ähnlicher Fall befindet sich derzeit in der Abklärung".

Bereits 2016 wurden Forscher des FLI bei der Aufklärung von unklaren Gehirnentzündungen hinzugezogen, weil die Standartdiagnostik bei der Ursachenforschung nicht zum Erfolg führte. "Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keinerlei Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte", sagte Beer. Eine Folge der neuen Erkenntnisse für die Humanmedizin sei, dass bei ungeklärten Fällen auch auf Bornaviren getestet werden sollte.

Ziel sei es nun, neue Nachweismethoden zu entwickeln, damit Bornavirus-Infektionen bereits in einem frühen oder chronischen Stadium erkannt werden können, sagte Hartmut Hengel, Präsident der Gesellschaft für Virologie und Virologe an der Universität Freiburg.

Weitere Vorkehrungen zur Absicherung der Organspende hält Hengel gegenwärtig aber noch nicht für möglich - und angesichts der laut Angaben offensichtlichen Seltenheit des Virus auch nicht für nötig. Infizierte Tiere zeigen Symptome wie Bewegungs- und Verhaltensstörungen. "Noch besitzen wir keine geeigneten Werkzeuge, um Organspender vorbeugend zu testen", sagte der Professor.

Außerdem sei nicht klar, ob möglicherweise Vorerkrankungen in den nun dokumentierten Fällen eine Rolle spielen. Häufig sterben sie an den Folgen.

Durch neueste Analyse-Methoden konnte man den Erreger nun bei menschlichen Patienten beobachten. Wie genau ist unklar, jedoch gehen Forscher des FLI in Greifswald von einer direkten Übertragung durch Kratz- oder Bissverletzungen aus. Allgemein tritt das Virus laut RKI selten auf: In Teilen Österreichs sowie in Ost- und Süddeutschland, Lichtensteins und der Schweiz. Am RKI hatten Forscher seit Anfang der 90erJahre zu möglichen Infektionen des Menschen geforscht.

Um die Gefährlichkeit von Bornaviren gab es in der Vergangenheit eine wissenschaftliche Kontroverse. Belastbare Hinweise auf eine Gefährdung fanden sie nicht, 2005 wurde die Arbeit eingestellt.

Vermeintliche Bornavirus-Nachweise in menschlichen Proben wurden später auf Verunreinigungen im Labor zurückgeführt.

Das Thema hatte auch deshalb viel Beachtung gefunden, weil einige der Wissenschaftler das Bornavirus als einen Faktor beim Entstehen von Krankheiten wie Depression und Schizophrenie darstellten. "Man muss die aktuellen Einzelfälle eindeutig von den Diskussionen der vergangenen 20 Jahre und den damaligen Untersuchungen abtrennen", betont Martin Beer vom FLI".

In einem vom Bund geförderten Konsortium wollen deutsche Forscher jetzt den offenen Fragen zu Bornaviren nachgehen, etwa zu Infektionswegen und Risikogebieten.

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