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Kollegah und Farid Bang bleiben nominiert

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Farid Bang

In der Diskussion um die Echo-Nominierung für Kollegah & Farid Bang und deren Album "Jung brutal gutaussehend 3" ist die Entscheidung gefallen: Der unabhängige Ethikbeirat sieht einen Ausschluss nicht als den richtigen Weg, mahnt aber eine gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Grenzen künstlerischer Freiheit sowie Hass und Gewalt im medialen Umfeld an.

Farid Bang reagierte mit einem breiten Smiley auf seiner Facebookseite: "Wir sehen uns beim Echo".

Es ist eine Entscheidung für die Freiheit der Kunst, dennoch dürfte sie auf viel Widerspruch stoßen: Trotz eines als antisemitisch kritisierten Songs bleiben die Rapper Kollegah und Farid Bang für den Musikpreis Echo nominiert. Doch ihr körperlicher Vergleich mit "Auschwitz-Insassen" bleibt für Kollegah und Farid Bang ohne Folgen.

Einen Ethikbeirat gibt es beim Echo seit 2013: Damals hatte eine Echo-Nominierung von Frei.Wild für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Die Auszeichnungen werden am kommenden Donnerstag in Berlin vergeben.

Auschwitzüberlebende wurden in der "Bild"-Zeitung zu Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" befragt und äußerten sich entsetzt".

Das fragliche Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" hatte schon vor seinem Erscheinen Anfang Dezember mit mehr als 100.000 Verkäufen Goldstatus erreicht.

Bei der Nominierung der Künstler handele es sich um einen "absoluten Grenzfall zwischen Meinungs- und Kunstfreiheit und anderen elementaren Grundrechten", sagte nun der Vorsitzende des Beirats, der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen. "Die Wortwahl einiger Texte, wie bei dem Titel "0815" auf der Beilage-EP "§ 185", ist provozierend, respektlos und voller Gewalt. "Sie als Stilmittel des Battle-Raps zu verharmlosen, lehnen wir ab". Doch man entschloss sich "nach intensiver und teilweise kontroverser Diskussion" mehrheitlich gegen einen formalen Ausschluss.

"Wir nehmen wahr, dass nicht nur in der Musik, sondern auch in anderen Bereichen der Kultur, wie in Film, Theater und Malerei, eklatante Tabubrüche zunehmend zu den Merkmalen der Kunstfreiheit gehören". Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Musikindustrie, zeigte hingegen Verständnis für die Betroffenen. "Deshalb appellieren wir an die politisch wie gesellschaftlich Verantwortlichen in unserem Land, eine ernsthafte Debatte über die Bedeutung und den Deutungsrahmen der Kunst- und Meinungsfreiheit zu führen". Allerdings sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Vergabe des Echo auf Verkaufszahlen basiere.

Die beiden Künstler sind mit "Jung, brutal, gutaussehend 3" unter anderem für den ECHO in der Kategorie Album des Jahres nominiert. Charterfolg und die Stimmen von Fachjuroren werden am Ende zusammengezählt und entscheiden so über die Echo-Preisträger.

Der Südtiroler Band wird von Kritikern vorgeworfen, rechtsextremistische Motive zu verbreiten. 2013 war die Deutschrockband Frei.Wild nach massiver Kritik von der Nominierungsliste gestrichen worden. Der Ethikrat kann in Zweifelsfällen vom Vorstand des Bundesrates Musikindustrie eingeschaltet werden. Die Musikpreise werden am 12. April in Berlin verliehen.

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