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Radio: Zwangsabschaltung für UKW-Sender droht in Deutschland

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Radio UKW Sendemast Media Broadcast Köln

UKW-Hörer des populären Deutschlandradios (verantwortlich für Deutschlandfunk und die Ableger Kultur und das Jugendradio Nova) könnten ab Mittwoch vergeblich die Ohren spitzen. Die UKW-Infrastruktur hat zum 1. April ihre Betreiber gewechselt. Und diese sehen sich nun nicht mehr an die Preisobergrenzen gebunden. Andernfalls werden die betroffenen Sender am Mittwoch abgeschaltet. Der Streit um die Nutzung der UKW-Frequenzen ist eskaliert. Auch Bonn und das Rheinland könnten davon betroffen sein.

Das Unternehmen Media Broadcast betrieb noch bis Ende 2017 alle UKW-Sendemasten in Deutschland, doch aufgrund der staatlichen Preisregulierung verkaufte es viele Antennen an verschiedene Unternehmen, darunter auch einige private Investoren, um sich auf das eigene Digitalgeschäft zu konzentrieren. Media Broadcast müsste im Streitfall die Kosten selber übernehmen.

Sendernetze werden genutzt, um Programmsignale an die gemieteten Antennen zu übermitteln.

Dass bis zum Eigentümerwechsel keine Verträge unterschrieben sein würden, zeichnete sich schon länger ab. Der ehemalige Sendernetz-Betreiber Media Broadcast, der eigentlich aus dem UKW-Geschäft aussteigen will, sollte die Verbreitung der Sender erst einmal weiterführen. Dafür sollten entweder die Programmveranstalter selbst oder deren Sendernetzbetreiber eine formale Beauftragung stellen.

Hintergrund der jetzt drohenden Abschaltung sind offenbar unterschiedliche Preisvorstellungen.

Das Unternehmen will die UKW-Radioprogramme u.a. vom Deutschlandradio, dem NDR und MDR bis Ende Juni weiterhin verbreiten, fordert aber eine explizite Beauftragung.

Ob auch Lokalradios in Bonn bei einem tatsächlich eintretenden Ausfall nicht mehr senden könnten, ist bislang nicht bekannt. Bis heute sei diese Forderung aber nur von 10 der 40 betroffenen Sender eingegangen. GA-Informationen zufolge fanden solche Wartungen in der Vergangenheit jedoch üblicherweise nachts statt und dauerten dann nur wenige Minuten.

Auswirkungen des Blackouts könnte Radio Bonn/Rhein-Sieg dennoch zu spüren bekommen.

Radio NRW zeigte sich "in höchstem Maß irritiert über das gesamte Verfahren". Der Sendenetzbetreiber Divicon aus Leipzig erklärte, alle Wellen des MDR und das Privatradio SAW bleiben auch über UKW empfangbar. Geschäftsführer Sven Thölen sagte auf dpa-Anfrage: "Derartige Drohungen" seien "nicht nachvollziehbar". Er sei an einer langfristigen und tragbaren Lösung interessiert. In Folge der Diskussionen um die Preisgestaltung kam es zu einem wackeligen Kompromiss. Damit die Bundesnetzagentur eingreifen kann, muss ein Unternehmen die Marktmacht haben, dies ist aber bislang nicht der Fall.

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