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Dozent Gabriel an Uni ausgebuht

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Sigmar Gabriel spricht im Hörsaal

Vielen schien hierbei entgangen zu sein, dass Sigmar Gabriel seine Gastdozenten-Tätigkeit ehrenamtlich ausführt.

Am Montagmittag fand seine Antrittsvorlesung statt. Auf dem aufgehängten Plakat stand "Gegen Iran-Siggi". Als er dann jedoch sagt, seine Verbundenheit zu Israel hindere ihn nicht daran, die israelische Regierung zu kritisieren, etwa deren Politik gegenüber den Palästinensern, ertönen Buhrufe. Der SPD-Politiker bemerkte anschließend das aufgehängte Plakat und sagte dazu: "Sie müssen sich jetzt umdrehen, die hängen da ein Plakat zu Israel auf".

Doch damit nicht genug: Die Protestierenden warfen Flugblätter in den Saal und riefen: "Herr Gabriel, warum liefern Sie Waffen an die Türkei?"

Gabriel lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. "Ich hoffe, Sie kommen in mein Seminar", schmunzelt er. - "Dann trage ich Sie persönlich ein und hole Sie ab!", versprach Gabriel und schlug vor, die Fragen der Kritiker zu beantworten. Und so nahm er Stellung zu seiner Beziehung zu Israel. Doch Gabriel hatte noch Weiteres zu sagen: "Es gibt wenige Länder, zu denen ich so ein enges Verhältnis wie zu Israel habe". Es gebe zwei Gründe für diese besondere Beziehung. Zudem verwies er auf seinen verstorbenen Vater, der bis zu seinem Tod ein "überzeugter Nationalsozialist" gewesen sei und auf die Familie seiner älteren Tochter, in der es ein Auschwitz-Opfer gebe. Und dann, an die Studenten gerichtet: "Sie haben die Chance, erst Außenminister und dann Vorleser an der Uni zu werden, das ist die gerechte Strafe für die Jugendsünden". Sein Engagement in Bonn wird das ganze Sommersemster laufen.

In seiner ersten Vorlesung mahnte er unter anderem eine gemeinsame europäische Syrien-Strategie an.

"Es ist eine wahre Herkulesaufgabe, die Europa da zu bewältigen hat", sagte der SPD-Politiker am Montag in der Vorlesung. "Diese Spaltung ist wirklich gefährlich, weil sie andere Mächte dazu ermuntert, uns zu testen", sagte Gabriel. Am Ende ein warmer, aber auch erleichterter Applaus.

Wer auf Sticheleien gegen die Berliner Aktiven gehofft hat, wird enttäuscht: Gabriel macht ganz auf Elder Statesman. Eine Stunde redet der Dozent. Dann ging es raus in die Mittagssonne.

Gabriel lehnt an der Bühne, um ihn herum eine Traube von Reportern. "Ich war ja mal Lehrer, ich hab ja mal einen anständigen Beruf gelernt früher". Eine Journalistin will noch wissen, ob man ihn demnächst auch in der Mensa treffen könne? "Warum nicht?", fragte er zurück.

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