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"Peinliche Vorkommnisse": Marius Müller-Westernhagen gibt Echos zurück

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Marius Müller Westernhagen wird all seine Echos zurückgeben

Farid Bang und Kollegah gewannen den Echo in der Kategorie "Hip-Hop/Urban National", obwohl einzelne Textstellen der Rapper als antisemitisch gewertet werden.

Künstler hätten eine besondere gesellschaftliche Verantwortung, schrieb Müller-Westernhagen: "Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich". Westernhagen meint, die Raper seien schlicht und einfach ignorant.

Weiter bezeichnet er die Musikindustrie als "skrupellos und korrupt", weil diese "ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet". Kulturell sei der Echo ohnehin noch nie relevant gewesen.

Aus diesem Grund gibt Müller-Westernhagen sämtliche Echos zurück, die er im Laufe seiner langen Karriere erhalten hat, unter den acht Trophäen befindet sich auch der Preis fürs Lebenswerk.

Westernhagen spricht weiter vom "Zerfall einer kultivierten Gesellschaft", der "zunehmend der innere moralische Kompass" abhanden komme.

Via Facebook teilte der 69-Jährige am Montagnachmittag seinen Fans mit: "Ich schließe mich meinem geschätzten Freund und Kollegen Klaus Voormann an und werde alle meine ECHOS zurückgeben". Westernhagen werde alle seine Echos zurückgeben. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". "Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen", schreibt Westernhagen zum Abschluss.

In den vergangenen Tagen gaben schon zahlreiche Musiker ihre Echos zurück - zuletzt Dirigent Enoch zu Guttenberg und der Pianist Igor Levit. Außerdem kündigte der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, an, sich aus dem Beirat des Musikpreises zurückzuziehen. Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, schrieb in einem Brief an die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch: "Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür - bei Ihnen und allen anderen Menschen, deren Gefühle wir verletzt haben". Dass diese Musik beim Echo preiswürdig ist, hatte heftige Kritik und eine Debatte über Antisemitismus ausgelöst. "Wir als Vorstand haben das falsch bewertet und wollten uns an der falschen Stelle für die künstlerische Freiheit einsetzen". Dies sei ein "Fehler" gewesen, so Höppner in einer Mitteilung vom Dienstag. "Wir können allerdings vermeiden, dass solche Fehler in Zukunft wieder geschehen".

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