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Wuff Wuff-Propaganda: Isle of Dogs

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Wer sich den meisterlichen Puppentrick-Film "Isle of Dogs" anguckt, hat folgende Alternativen: Entweder einen Film mit Joachim Tennstedt und Luise Helm.

Die scheinbare kindliche Einfalt, oder besser: das sonnige Gemüt, das allen Wes-Anderson-Filmen innewohnt, strahlt auch aus "Isle of Dogs" heraus.

Im großartigen Soundtrack von Alexandre Desplat klingt Japans Filmgeschichte vom Kanon bis zum B-Movie nach; denn natürlich ist Ataris Abenteuer auch eine Hommage an das Kino selbst, an die handgemachten Illusionen der Zeit vor der Digitalisierung und an seine tiefsten Ursprünge im Spiel: Wenn die Figuren des Puppenbauers Andy Gent sich Bild für Bild vor der Kamera bewegen, entfalten sie enorme Fantasie und Fabulierlust, und in jedem der unzähligen Gags erkennt man das erwachsene Kind Wes Anderson wieder. Diese Herausforderung meistert Anderson allerdings tadellos. Hier werden die Streuner ihrem Schicksal überlassen und kämpfen sich Tag für Tag durch Essensreste und Abfall, bis eines Tages ein kleiner Junge namens Atari mit seinem Flugzeug auf der Insel auftaucht. Duke (Jeff Goldblum) und King (Bob Balaban) finden den Jungen bewusstlos auf und machen es sich zur Aufgabe, ihm bei seiner Suche zu helfen.

Knapp zwei Jahre arbeiteten die Macher an der Konzeption und Fertigstellung von "Isle of Dogs" und das Ergebnis kann sich erwartungsgemäß sehen lassen.

Dass die Hunde im Film unsere Sprache sprechen, die Japaner aber Japanisch (und nicht untertitelt werden), ist der finale Kunstgriff in einem Animationsfilm, der nicht nur visuell zum Staunen bringt: "Isle of Dogs" ist vielleicht zuallererst ein Film über Kommunikation, und wie sie misslingt. Dass es in "Isle of Dogs" ausgerechnet eine US-amerikanische Austauschschülerin ist, die sich auf eine weitreichende japanische Verschwörung stürzt und ihren Gastgebern fast im Alleingang erklärt, wie das Problem der Hundeepidemie zu lösen ist, sorgte direkt nach der Weltpremiere auf der Berlinale teilweise für Empörung.

Doch Wes Anderson geht es mit seiner verschrobenen Tragikomödie vor allem um die trockenhumorige Interaktion zwischen den Hunden - was nicht heißt, dass man bei dieser Situation Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen ziehen kann. Manchmal braucht man bei einem Problem eben eine Sicht von außen.

Mit den Stimmen von: Edward Norton, Tilda Swinton, Francis McDormand, Greta Gerwig u. a. All das ist Subtext bei "Isle of Dogs", aber es ist nicht die Message des Films; zu unaufdringlich sind diese Themen im Untergrund verräumt, und doch sind sie stetig präsent. USA/D 2018. R: Wes Anderson.

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