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Sterbehilfe: Australier David Goodall (†104) ist tot

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Goodall setzt sich für aktive Sterbehilfe ein

"Er war ruhig und gelassen. Er wollte, dass alles so schnell wie möglich geht", sagte der Exit-Sprecher weiter. Begleitend zur Infusion sei auf den Wunsch des Sterbenden die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven aufgelegt worden.

Weshalb wollte Goodall sterben? Anders als in Deutschland ist Sterbehilfe in der Schweiz erlaubt.

Mit seiner Entscheidung hatte sich der Forscher dafür stark gemacht, dass auch in anderen Ländern über die Möglichkeit eines würdevollen Abschieds vom Leben diskutiert werden sollte. Seine Lebensqualität sei nach einem Sturz und Sehschwierigkeiten nicht mehr akzeptabel, sagt er. Unheilbar krank war Goodall indes nicht. Seine letzten Tage habe er mit Verwandten verbracht und auch in seiner Todesstunde werden ein oder zwei Familienmitglieder dabei sein. Seine Familie verstehe seinen Entschluss, sagte Goodall bei einer Medienkonferenz einen Tag vor seinem Tod. Er ist Mitglied der Organisation "Exit International", die sich für Sterbehilfe einsetzt.

"Ich bedauere sehr, dieses Alter erreicht zu haben", hatte Goodall wenige Wochen vor seinem Freitod dem Rundfunksender ABC gesagt. Goodall, der sich vor zwei Jahren noch erfolgreich gegen seine Zwangspensionierung gewehrt hatte, hatte Ende April kurzfristig einen Termin bei einem Sterbehilfeverein in Basel bekommen. Diese gaben gemäss Exit grünes Licht für das Vorhaben. Laut Exit wollte Goodall, dass seine Asche verstreut wird.

David Goodall hat nur einen Wunsch: Er will sterben.

Was war Goodalls Werdegang?

Goodall hatte an der Edith Cowan Universität in Westaustralien gearbeitet. 2016 war er weltweit bekannt geworden, als ihn seine Universität im Alter von 102 Jahren endgültig in den Ruhestand schicken wollte - obwohl er seit seiner offiziellen Pensionierung unentgeltlich arbeitete. Nach Protesten und Solidaritätsbekundungen von Wissenschaftern aus der ganzen Welt nahm die Universität die Entscheidung zurück. Goodall hat dutzende Forschungsarbeiten veröffentlicht und noch bis vor kurzem für verschiedene Fachzeitschriften gearbeitet. Goodall war erst am Montag in die Schweiz gereist, da Sterbehilfe in seinem Heimatland Australien verboten ist. Sein Entscheid, selbstbestimmt zu gehen, berührte viele und sorgte in den Sozialen Netzwerken für Gesprächsstoff. Aber das sei ihm ohnehin schon lange nicht mehr möglich gewesen. Doch das sehen nicht alle so.

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