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Bisher unlesbare Texte von Anne Frank entziffert

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Ihr Tagebuch machte sie berühmt Anne Frank

Sie notierte in der Bevölkerung kursierende Zoten, "Kriegsklassiker", so der Historiker Peter de Bruin, die sie im Radio oder von ihrem Vater Otto Frank gehört haben könnte: "Wissen Sie, wozu die deutschen Wehrmachtmädchen in den Niederlanden sind?" "Dass die Seiten nachträglich zugeklebt wurden, zeigt ja, dass Anne Frank sehr bewusst mit ihrem Tagebuch umging".

Mehr als 70 Jahre nach der Veröffentlichung des Tagesbuches von Anne Frank sind bislang unlesbare Texte des jüdischen Mädchens veröffentlicht worden. Die Amsterdamer Anne Frank Stiftung präsentierte nun die Zeilen, die dank digitaler Fototechnik lesbar gemacht werden konnten. "Sie ist ein 13-jähriges Mädchen in der Pubertät". Über Sexualität schreibt Anne Frank schließlich auch an anderer Stelle. Allerdings verrate ihr Stil einiges über ihr Vorhaben, Schriftstellerin zu werden. Denn das wollte Anne werden, schrieb sie später in ihrem Tagebuch.

Schon damals hätte sie vorgehabt, einen Roman mit dem Titel "Das Hinterhaus" zu schreiben, so die Forscher. Deshalb habe sie nach dem Schreiben auch alle Texte noch einmal redigiert und viele Passagen neu geschrieben. Die Seiten 78 und 79 klebte sie vermutlich selbst zu, weil sie sich schämte.

Waren diese Passagen dem jungen Mädchen peinlich?

Die Textpassagen beleuchten auch den schrillen Kontrast zur großen Bedrohung im Hinterhaus an der Prinsengracht und machen den unmenschlichen Terror bis heute fühlbar. Im Hinterhaus lebte die in Frankfurt am Main geborene Anne mit ihrer Familie im Versteck vor den deutschen Nationalsozialisten.

Im August 1944 wurden die Franks verraten und von den Nazis deportiert. Anne starb im Alter von 15 Jahren 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Nur Vater Otto Frank überlebte. Helfer hatten Annes Tagebücher gerettet, die 1947 veröffentlicht wurden.

Die Anne-Frank-Stiftung habe lange gezweifelt, ob sie die überklebten Passagen überhaupt veröffentlichen solle. "Anne Frank ist weltweit eine Ikone geworden", sagt Leopold. "Ihr Tagebuch gehört zum Weltkulturerbe der Unesco". Immerhin hat sie Seite 78 und 79 des Tagesbuchs mit braunem Packpapier verklebt, um sie vor neugierigen Augen zu verbergen.

In der neuen für 2019 geplanten wissenschaftlichen Ausgabe der Tagebücher sollen die Texte mit aufgenommen worden. "Wir fanden, dass alle Texte dokumentiert werden mussten".

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