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Kommentar: Trump stürzt G7 ins Totaldebakel: Seine Reaktion ist absolut verlogen

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Als Gastgeber Justin Trudeau, Kanadas Premierminister, im malerischen La Malbaie seine Gipfel-Bilanz zog, saß Trump bereits im Flugzeug in Richtung Singapur, wo morgen (Dienstag) der Atom-Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong un stattfinden soll. Trumps Ärger hatte sich an dessen Ankündigung entzündet, als Reaktion auf die Strafzölle der USA Gegenzölle zu erheben. Trump baute eine Drohkulisse mit Schutzzöllen auf Autos auf, was insbesondere Deutschland hart treffen würde. "Wir haben den Gipfel abgeschlossen", sagte Trump am Sonnabend in La Malbaie. Mit den sehr allgemeinen Bekenntnissen zum Abbau von Zöllen und Subventionen sowie zu multilateralen Handelsregeln konnte Trump auch gut leben - zumal es ihm gelang, die Forderung nach Reform der von ihm gescholtenen Welthandelsorganisation (WTO) festschreiben zu lassen. Das Kommuniqué war in mühseligen Verhandlungen erst kurz vor Abschluss des Gipfels fertiggestellt worden.

Als eine Art Freundlichkeit war es wohl auch gedacht, dass sich Trump trotz aller Differenzen über den Handel, den Klima- und Umweltschutz sowie das Atomabkommen mit dem Iran auf die Gipfelerklärung einließ.

Doch Trump ist nun erzürnt über Gastgeber Justin Trudeau - weil der Premier im Streit um die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium partout nicht einknicken will. Zugleich hatte Trudeau bekräftigt, an den schon vor dem Gipfel angekündigten Gegenzöllen auf US-Produkte festzuhalten. Auch die EU bereitet solche Zölle zum 1. Juli vor.

Von Bord der Präsidentenmaschine Air Force One servierte Trump die Retourkutsche.

Alles dreht sich um einen, der eigentlich nicht will: Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit US-Präsident Donald Trump (r) während der Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung. Auch die anderen stehen, unter anderem Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May und Japans Regierungschef Shinzo Abe, auch dieser mit verschränkten Armen. Die Europäer und sonstigen Handelspartner der USA, vorneweg Kanada und Mexiko, wären gut beraten, wenn sie an Trump möglichst vorbeischauten: Der Protektionismus des Präsidenten stösst nicht nur bei der demokratischen Opposition auf Widerstand, auch die Republikanische Partei beginnt sich gegen die Handelspolitik des Präsidenten zu wehren.

Donald Trump brüskiert die Verbündeten beim G7-Treffen gleich mehrfach.

Das G7-Treffen war ein Gipfel der Desillusion.

Trump lobte bei seinen presse-öffentlichen Auftritten die Gespräche als hart, aber herzlich und bezeichnete seinen Draht zu den anderen Staats- und Regierungschefs als "hervorragend" und von gegenseitigem Verständnis getragen. Ein Regierungssprecher teilte mit, Deutschland stehe zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué.

"Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen", erklärte der Elysée-Palast. Wer auch immer den Absprachen von Kanada den Rücken zukehre, zeige "Zusammenhanglosigkeit und Unhaltbarkeit". Kurz vor seinem Abflug hatte Trump dem transatlantischen Verhältnis noch eine Bestnote gegeben, auch wenn er die EU für brutal halte. "Oder wir hören auf, mit ihnen zu Handel zu treiben".

Die G7-Turbulenzen schlugen weltweit Wellen.

Wladimir Putin signalisierte unterdessen Bereitschaft zu einem Treffen mit Trump. Putin spottete über die G7, der er "kreatives Gelaber" unterstellte.

In einer ganzen Reihe von Einzelfragen waren sich die großen Wirtschaftsmächte einig: Gemeinsames Abwehrsystem gegen Destabilisierungsversuche aus Ländern wie Russland oder China; Förderung von Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern und Krisenregionen mit 4,7 Milliarden Euro; Unterstützung für Trumps Bemühungen für eine unumkehrbare atomare Abrüstung der koreanischen Halbinsel.

Frankreich hat die Einhaltung der Regeln für die internationale Zusammenarbeit angemahnt. Mit ihren Zöllen reagierten die USA doch nur auf die Handelspolitik Kanadas!

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