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Eklat nach Treffen in Kanada - Wie Donald Trump das G7-Bündnis zerstört

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Außenminister Heiko Maas (SPD) hat das große Ziel ausgegeben, die regelbasierte Ordnung der Welt gegen Nationalisten und Populisten zu retten - notfalls in sogenannten "Projektpartnerschaften" mit Staaten wie etwa China, die zwar nicht gemeinsame Werte teilen, aber in bestimmten Bereichen gemeinsame Ziele verfolgen. Was schon deshalb bizarr klang, weil er die G7 zugleich mit dem Vorschlag einer Freihandelszone ohne jegliche Zollhürden überraschte.

Zufall oder nicht: Den Moment gibt es auch aus anderer Perspektive.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in der Nacht zum Sonntag getwittert, Trump habe bei dem Gipfel "eine vereinte Front" vor sich gehabt. Und auch mit der britischen Premierministerin Theresa May im Zentrum. Die Sitzung zum zweiten grossen Streitthema Klimaschutz sparte sich der US-Präsident. Offenbar nein! Er zeigt sich in der Szene eher amüsiert, scheint gar einen Scherz zu machen.

Ironischerweise wurden alle Twitter-Offensiven der europäischen Staatschefs wenig später von Donald Trump auch via Twitter zunichte gemacht.

Trump hatte die Partner bereits vorher düpiert, indem er fünf Stunden vor Ende des Treffens zu dem Nordkorea-Gipfel abreiste, der aber erst am Dienstag stattfindet. Dann brachte er einen Tag vor Beginn ins Spiel: Russland sollte bei den Gipfeltreffen wieder dabei sein - ein Alleingang. Trump habe "mit seiner destruktiven Trotzreaktion der G7 nun auch noch die Rolle als Ort der Minimallösungen genommen und den Gipfel krachend scheitern lassen", so Hofreiter. Er begründete diesen bisher einmaligen Schritt in der über 40-jährigen G7-Geschichte auf Twitter unter anderem mit der Haltung des kanadischen Gastgebers Justin Trudeau zu US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium.

Trudeau hatte die Strafzölle der USA, die Trump mit nationalen Sicherheitserwägungen begründet hatte, als "beleidigend" für Kanada bezeichnet, das an der Seite der USA in mehreren Kriegen kämpfte. Kanada plane "massive Zölle auf US-Landwirte, Arbeitnehmer und Unternehmen". "Die USA sind jahrzehntelang ausgenutzt worden", befand Trump. Ein Berater legte noch nach, Merkel äußerte sich enttäuscht und Trump schimpfte in einer neuerlichen Tweet-Serie über Deutschland und die EU.

US-Präsident geht am Samstag an Bord der "Air Force One", um nach Singapur zu fliegen. Die Schuld dafür gab er Kanadas Premier Trudeau. Diese sollten den gleichen Umfang haben wie die Zölle, "welche die Amerikaner uns ungerechtfertigterweise auferlegt haben".

Zunächst reagiert Trudeau nicht auf Trumps Tweets, sondern lächelt den Affront beim bilateralen Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri weg.

Die EU zeigte sich derweil unbeirrt von der Trump-Attacke.

Das sahen auch Macron und EU Ratspräsident Donald Tusk so.

"Es gibt in der Hölle einen besonderen Platz für jeden ausländischen Regierungschef, der in böser Absicht Diplomatie mit Präsident Donald J. Trump betreibt und dann versucht, ihm ein Messer in den Rücken zu rammen, wenn er zur Tür hinausgeht".

Er wolle mit Trump zusammenkommen, sobald Washington dazu bereit sei, sagte Putin am Sonntag.

Mit einer Aussage auf Twitter hat US-Präsident Donald Trump die G 7 gespalten.

Russland war 2014 nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen wurde, die damit von der G8 zur G7 wurde. Die Europäer und sonstigen Handelspartner der USA, vorneweg Kanada und Mexiko, wären gut beraten, wenn sie an Trump möglichst vorbeischauten: Der Protektionismus des Präsidenten stösst nicht nur bei der demokratischen Opposition auf Widerstand, auch die Republikanische Partei beginnt sich gegen die Handelspolitik des Präsidenten zu wehren. Mit den sehr allgemeinen Bekenntnissen zum Abbau von Zöllen und Subventionen sowie zu multilateralen Handelsregeln konnte Trump auch gut leben - zumal es ihm gelang, die Forderung nach Reform der von ihm gescholtenen Welthandelsorganisation (WTO) festschreiben zu lassen.

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