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"Extrem stressige Nacht": Hilfsorganisationen retten 629 Migranten im Mittelmeer

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Nach der Rettung von 229 Menschen nahm die "Aquarius" 400 weitere mit an Bord, die zuvor von der italienischen Marine, der Küstenwache sowie von Handelsschiffen gerettet worden waren.

Medienberichten zufolge hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei zuvor mit einer Schliessung italienischer Häfen für Flüchtlinge gedroht, sollte Malta die 629 Flüchtlinge nicht aufnehmen.

Innenminister Salvini stellte am Sonntagabend ein Foto von sich mit verschränkten Armen, abweisender Haltung und dem Hashtag "Wir schließen die Häfen" ins Internet.

Die maltesischen Behörden wiederum wiesen darauf hin, dass die Rettungsaktionen der "Aquarius" vor der libyschen Küste von der Einsatzzentrale der italienischen Küstenwache in Rom koordiniert worden seien.

Seenothelfer, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten, sind verpflichtet, sie zum "nächsten sicheren Hafen" zu bringen.

Das Schiff hatte 629 Migranten an Bord genommen, die in sechs verschiedenen Einsätzen teilweise in der Nacht von Samstag auf Sonntag gerettet wurden.

Italiens neuer Innenminister, Matteo Salvini (Lega), hat seine Warnung vom vergangenen Wochenende, wonach "die guten Zeiten für Illegale" vorbei seien, eingelöst. Der Hilfsorganisation zufolge sind an Bord auch 123 unbegleitete Minderjährige, elf kleine Kinder sowie sieben schwangere Frauen.

629 Menschen auf einem Schiff im Mittelmeer werden zum Spielball zwischen Italien und der EU.

"Die Insel kann nicht weiter wegschauen, wenn es darum geht, internationale Übereinkommen zum Schutz von Menschenleben und Zusammenarbeit zwischen den Staaten einzuhalten", teilten das Innen- und Transportministerium mit.

Sowohl die neue Regierung Italiens als auch jene aus Malta fühlen sich nicht für die 629 Menschen auf dem Boot zuständig.

Neben dem Stadtchef von Valencia, Joan Ribo, hatte sich auch Barcelonas Bürgermeisterin, Ada Colau, bereit erklärt, das Schiff einlaufen zu lassen. Nach Malta werden seit einer Absprache zwischen der dortigen Regierung und Rom 2014 so gut wie keine Geretteten mehr gebracht.

Wie es nun weitergeht, ist völlig unklar. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen appellierte an die beteiligten Staaten, eine schnelle Lösung zu finden. "Die Verzögerung der Einsätze gefährdet die Gesundheit Hunderter Menschen, die dringend versorgt werden müssen", schrieb das UNHCR auf Twitter.

Die "Aquarius" harrt derweil weiter aus in den Gewässern zwischen Malta und Italien. "Vier Tage waren das längste, was wir mal machen mussten", sagte Verena Papke von SOS Méditerranée in Berlin. Der Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen werde erneut "auf dem Rücken der humanitären Organisationen ausgetragen".

Ärzte Ohne Grenzen sprach von einer "extrem stressigen Nacht".

Die "Aquarius" wird vermutlich nicht das einzige Schiff bleiben, das von Italien abgewiesen wird.

Doch die Flucht nach Europa wagen Flüchtlinge auch über die westliche Route des Mittelmeers.

Die deutsche Organisation Sea-Watch beklagte unterdessen das Vorgehen der italienischen Behörden.

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