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Merkel bei "Anne Will": Kämpferisch aus der Defensive

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Angela Merkel gestikuliert in der TV-Sendung

Doch dann geschah das Unglaubliche. Trump hatte die Handelspartner vor seiner Abreise vor Vergeltungsmaßnahmen gewarnt.

Stuttgart - Im Streit um die Abschlusserklärung des G7-Gipfels hat das Weiße Haus dem kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau Heimtücke vorgeworfen.

Kanadas Premier Trudeau ließ Trumps Anschuldigungen zurückweisen: "Wir konzentrieren uns darauf, was wir hier bei dem G7-Gipfel erreicht haben". Trump erlaube vor dem Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un kein Anzeichen von Schwäche. "Aufgrund von Justins falschen Aussagen in seiner Pressekonferenz und der Tatsache, dass Kanada unsere Farmer, Arbeiter und Unternehmen mit massiven Zöllen belastet, habe ich unsere US-Vertreter angewiesen, das Kommuniqué nicht zu unterstützen".

Die EU und Kanada haben vor der Welthandelsorganisation WTO Klage gegen die aus ihrer Sicht illegalen US-Zölle eingereicht und zudem eigene Zölle auf Produkte aus den USA angekündigt. Dies löst einen Wutausbruch an Bord der Präsidentenmaschine aus.

Erst nennt US-Präsident Trump den G7-Gipfel "ausgesprochen erfolgreich". Trudeaus Vorgehen sei "sehr unehrlich und schwach". Für den Fall, dass Trump wie geplant auch Strafzölle auf deutsche Autos verhängen sollte, kündigte die Kanzlerin Gegenmaßnahmen der EU an. Der Gipfel in Québec zeigte einmal mehr, dass Trumps Interesse an den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Allianzen, die Washington seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geflochten hat, extrem gering ist.

Merkel und die EU-Kommission betonten, sie hielten an dem G7-Abschlusspapier fest. Bei diesen Werten muss man nur darüber hinwegsehen, dass in Trumps Amerika immer noch die Todesstrafe praktiziert wird und bis in höchste Kreise diskutiert wird, ob das Foltern Verdächtiger tatsächlich als bestialisches Verbrechen gelten soll. Außenminister Heiko Maas (SPD) warf dem US-Präsidenten vor, "unheimlich viel Vertrauen sehr schnell zerstört" zu haben. Er posierte fröhlich winkend für das "Familienfoto" der Staatenlenker, verteilte Bestnoten für sein Verhältnis zu den G7-Partnern und lobte den Gastgeber für seine Gipfelregie: "Justin hat einen wirklich guten Job gemacht".

Es gibt wohl kaum etwas anderes, was US-Präsident Donald Trump so in Rage zu versetzen scheint, wie eine Debatte über das US-Handelsbilanzdefizit und die deutschen Exportüberschüsse. Auch die anderen stehen, unter anderem Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May und Japans Regierungschef Shinzo Abe, auch dieser mit verschränkten Armen. Doch in der Summe wirken Trumps Aktionen der vergangenen Monate als Angriff auf fast alles, was den modernen Westen verbindet: die Aufkündigungen des Klimaabkommens und des mühsam von Europa eingefädelten Atomwaffenabkommens mit dem Iran.

Auf die Frage, ob sie trotz ihrer Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Spielen der deutschen Mannschaft reisen werde, sagte Merkel, dies könne gut sein. Eine Wiederaufnahme Russlands ist nur einstimmig möglich. Er wird damit auch die weitere Diskussion über die Zukunft der G7 steuern. Die Drohung zu den Autos dürfte Deutschland als großer Exporteur besonders umtreiben.

In der von Trump verworfenen Erklärung hatten sich die sieben Industrienationen zu einem freien, fairen und regelbasierten Handelssystem bekannt und dem Protektionismus den Kampf angesagt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die politische Verantwortung für Missstände beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge übernommen.

Soviel Widerstand ist für Trump schwer erträglich.

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