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Nordkorea-Gipfel: 5 Experten haben Trumps und Kims Treffen analysiert

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Eine Analyse von Finn Mayer-Kuckuk Peking

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un haben sich auf den Beginn einer Friedens- und Abrüstungsinitiative geeinigt.

Die charakteristische Szene: Als sie anschließend in der Hotelbibliothek Platz nehmen, wird der US-Präsident aus dem kleinen Tross an Journalisten, der kurz rein darf, gefragt, wie er sich fühle.

Am Dienstag um 9.04 Uhr Ortszeit standen sich die beiden gegenüber, schritten aufeinander zu und schüttelten sich die Hände. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen.

Kim zufolge war der Weg zum Gespräch der beiden nicht leicht. Es war nun das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident und ein nordkoreanischer Machthaber zusammentrafen. Der US-Präsident wiederum sagte im Gegenzug "Sicherheitsgarantien" für Nordkorea zu, wie aus dem Schriftstück hervorgeht. Von Matthias Kolb mehr.

Trump sagte: "Wir unterzeichnen ein sehr wichtiges Dokument, eine ziemlich umfassende Vereinbarung". Etwa 1993, als Nordkorea und die USA sich schon einmal darauf einigten, ein atomwaffenfreies Korea und friedlichere Beziehungen anzustreben. Beide Länder wollten ihre Beziehungen auf eine neue Grundlage stellen, heißt es auch in der Gipfelerklärung.

Nordkorea verpflichtet sich, auf die komplette Denuklearisierung hinzuarbeiten. Kim gibt vor, dass seine Raketen mit Atomsprengköpfen das US-Festland treffen können.

Die Vereinigten Staaten und die DVRK verpflichten sich zur Bergung der Überreste von Kriegsgefangenen und Kriegsvermissten, einschließlich der sofortigen Rückführung der bereits Identifizierten. US-Außenminister Mike Pompeo hatte vor dem Gipfel definiert, was aus seiner Sicht erreicht werden müsse: Die nukleare Abrüstung Nordkoreas müsse vollständig, verifizierbar und unumkehrbar sein.

Nordkorea kündigte nach Trumps Darstellung in den Gesprächen auch an, eine große Testanlage für Raketentriebwerke zu zerstören.

Ein Zeitplan oder spezifische Schritte wurden in dem eher vagen Dokument nicht erwähnt.

Das Gipfeltreffen von Donald Trump und Kim Jong-un löste weltweit positive Reaktionen aus. Südkoreas Präsident Moon Jae In lobte Trump und Kim für ihre "mutigen Entscheidungen": "Das ist nur ein Anfang". Nordkoreas Machthaber meinte ebenfalls: "Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen".

Und für Nordkorea? Kim sitzt mit dem mächtigsten Mann der Welt am Verhandlungstisch, wird umgarnt.

In der Erklärung fehlt indes zunächst jede zeitliche Festlegung. Die USA haben dort 28.500 Soldaten stationiert und hätten im Kriegsfall das Kommando über die südkoreanischen Truppen. Allerdings musste er dafür seine Forderungen nach schnellen und überprüfbaren Abrüstungsschritten zurückstellen. Trump sagte, er habe mit Kim auch über die Menschenrechtslage in Nordkorea gesprochen. "Gegner können zu Freunden werden", sagte Trump, laut dem "nur die Mutigsten Frieden schaffen können". Die Sanktionen gegen Nordkorea werden aber vorerst beibehalten. "Vielleicht sollte ich die Sanktionen zurückfahren", überlegt Trump zum Abschluss vor der Presse. Es gebe aber noch keine solche Vereinbarung.

Im Laufe des Treffens berichtete Trump mehrfach von Fortschritten. Der russische Experte Andrei Lankow, einer der führenden Nordkorea-Kenner, schrieb in einer ersten nüchternen Einschätzung, dass die gemeinsame Erklärung "null praktischen Wert" besitze. Wie diese aussehen könnten, blieb unklar.

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