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USA machen Kanada für beispielloses G7-Debakel verantwortlich

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Beim Gipfel kam es zu einer Einigung zwischen US-Präsident Donald Trump und den sechs weiteren Mitgliedsstaaten

Trump hatte die Handelspartner vor seiner Abreise vor Vergeltungsmaßnahmen gewarnt. Da steht die deutsche Kanzlerin Angela Merkel in hellrotem Blazer mit ausgebreiteten Armen vor dem lässig auf einer Holzbank sitzenden US-Präsidenten Barack Obama. Da zog der Amerikaner kurz nach Mitternacht seine Zustimmung zur wenige Stunden alten Abschlusserklärung zurück.

Der Eklat war perfekt, die Aufregung riesengroß.

Betont unbeeindruckt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Rückzug des US-Präsidenten vom gemeinsam vereinbarten Kommuniqué beim G7-Gipfel in Kanada reagiert. Und eine SPD-Politikerin bezeichnet Trump als "Chaoten".

Zuvor hatte Trump erklärt, die USA würden die Abschlusserklärung des G7-Gipfels in Kanada nicht unterstützen. Dann verkürzte er seinen Aufenthalt.

Trump habe der "wertebasierten Zusammenarbeit der führenden Wirtschaftsnationen einen schweren Schlag versetzt", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU). Trump habe "mit seiner destruktiven Trotzreaktion der G7 nun auch noch die Rolle als Ort der Minimallösungen genommen und den Gipfel krachend scheitern lassen", so Hofreiter.

Trudeau hatte auf der Pressekonferenz am Ende des Gipfels auf Journalistenfragen frühere Aussagen wiederholt, dass die von den USA verhängten Strafzölle auf kanadische Stahl- und Aluminiumimporte "gewissermaßen beleidigend" für Kanada seien, da sie mit nationalen Sicherheitsbedenken der USA begründet würden.

Doch ein Wandel in den Handelsbeziehungen werde kommen, kündigte Trump an. Er bekräftigte, an den zuvor schon angekündigten Gegenzöllen auf US-Produkte zum 1. Juli festzuhalten. Aus dem Präsidentenflugzeug Air Force One setzte Trump dann aber zwei Twitter-Botschaften ab, in denen er seine Unterstützung aufkündigte, und den kanadischen Gastgeber Trudeau beleidigte.

So groß die Empörung in Berlin, Paris und Ottawa war: Die Verbündeten hatten rechtzeitig die Weichen gestellt, um das Gipfeltreffen in ihrem Sinne vermarkten zu können.

Vor der neuen Trump-Intervention hatten sich alle anderen Gipfelteilnehmer über das Treffen geäussert, die kanadische Regierung das Abschlussdokument veröffentlicht. Eine persönliche Stellungnahme Trudeaus steht bislang noch aus. Im Zentrum der Ikonografie steht die Kanzlerin, die sich entschlossen auf einen Tisch stützt und den Widerstand anzuführen scheint.

Die Aufnahme stammt von dem preisgekrönte Fotografen Jezco Denzel, der für die Bundesregierung arbeitet.

Doch das ist nur die eine Perspektive. Trump hatte behauptet, er lasse es nicht zu, dass ihm jemand auf der Tasche liege. Das zeigt bereits, wie stark die internationale Kompromisssuche von innenpolitischen Motiven überlagert wird.

Vor allem aber wird die Merkel-Aufnahme von den Trump-Fans in den USA ganz anders interpretiert. Überhaupt sei die Vergangenheit kein Grund, Moskau die Teilnahme am G7-Gipfel zu verwehren. Der Präsident hat heute klargemacht: "Das ist vorbei", kommentierte John Bolton, der Sicherheitsberater von Trump, das Foto.

Doch zugleich erging sich der US-Präsident bei dem Treffen in einem Luxushotel in prächtiger Landschaft am Sankt-Lorenz-Strom in Freundlichkeiten.

Jenseits der PR-Schlachten um die Deutungshoheit für das Gipfel-Debakel wird nun die Frage immer drängender, wie Europa mit einem völlig unberechenbaren US-Präsidenten umgehen soll. Dass der Präsident das amerikanische Verhältnis zu den anderen Gipfelstaaten trotzdem als "hervorragend" einstufte und den Gipfel in Québec als "enormen Erfolg" wertete, dürfte auf die Zurückgebliebenen kaum Eindruck gemacht haben. Doch ansonsten regt sich bei den Republikanern kein ernsthafter Widerstand. Man müsse sich in der Politik entscheiden: "Nichtstun kann Risiko sein, dass man als vollkommen erpressbar gilt". "G6 ist eine Illusion", hielt der grüne Europaparlamentarier Reinhard Bütikofer dagegen.

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